Neal Stephenson: Werke
- The Big U (1984)
- Zodiac (1988)
- Snow Crash (1991)
- Interface (1994)
- The Diamond Age (1995)
- The Cobweb (1996)
- Cryptonomicon (1999)
- In the Beginning was the Command Line (1999) (Essay)
- Baroque Cycle
- Quicksilver (2003)
- The Confusion (2004)
- The System of the World (2004)
The Big U (1984)
Stephenson veröffentlichte 1984 seinen ersten Roman The Big U, die Originalausgaben sind heute teure Sammlerstücke, weil die meisten Exemplare, die damals nicht verkäuflich waren, vernichtet wurden. Inzwischen ist das Buch allerdings neu verlegt und wieder im Buchhandel erhältlich. Die Handlung ist an einer amerikanischen Universität angesiedelt, die auf den passenden Namen American Megaversity hört. Es handelt sich um eine Campusuniversität, die sich durch ihre Größe und die Tatsache, dass alle Einrichtungen im selben Gebäudekomplex untergebracht sind, auszeichnet.
Stephenson parodiert den universitären und studentischen Alltag in Amerika. Die Beschreibungen der verschiedenen studentischen Subkulturen und Splittergruppen (Stalinist Underground Battalion (SUB), Temple of Unlimited Godhead (TUG)) erinnern an die amerikanische Comicliteratur, deren Autoren Stephensons Vorliebe für plakative und gleichzeitig treffende Namen teilen. Die Art der Charakterisierung der Figuren ist auch eher mit Comics zu vergleichen, als etwa mit den verloren wirkenden und moralisch indifferenten Collegestudenten in Bret Easton Ellis’1 etwa zeitgleich erschienenen Erstlingswerk Less than Zero.
Comichaft ist auch das Ende des Romans, wo radioaktiv verseuchte und mutierte Ratten und spektakulär einstürzende Gebäude, ganz dem Endzeitrepertoire der amerikanischen Popkultur entsprechen. Im Gegensatz dazu ist die Auflösung zivilisierter Verhaltensweisen und Außerkraftsetzung sozialer Normen bei Ellis stets subjektiv und Sache des Individuums (vielleicht am besten charakterisiert durch Durkheim2 und dessen Begriff der Anomie).
Stephenson dagegen modelliert den sozialen Zusammenbruch explizit3 mit Bezug auf Julian Jaynes’4 Werk über die Entstehung des Bewußtseins durch die Auflösung der Barriere der Hemisphären des Gehirns (engl.: The Origin of Conciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind). In seinem späteren Roman Snow Crash bildet Jaynes’ Theorie den Hintergrund für Einsatz von Sprache als un- bzw. vorbewußten Programmier- und Steuerungsmechanismus für menschliches Verhalten und soziale Gruppen. In The Big U dagegen ist der Dualismus von Magie/Technologie in der Subkultur der Geeks und ihre duale Identität als Rollenspieler/Hacker eine deutliche Anspielung auf Jaynes.
Insgesamt ist The Big U ein kurzweiliges — und gemessen an der Länge seiner anderen Romane kurzes — Buch. Thematisch und inhaltlich (Umweltverschmutzung, Computer, clevere wissenschafltiche und detektivische analytische Methoden) steht der Roman in einer Reihe mit späteren Werken.
Zodiac (1988)
1988 veröffentlichte er seinen zweiten Roman Zodiac, ein Thriller über die kriminelle Umweltverschmutzung durch Industrieunternehmen, die durch eine kleine Gruppe von Umweltaktivisten bekämpft wird.
Snow Crash (1991)
Seinen Durchbruch als Schriftsteller feierte Stephenson 1991 mit Snow Crash, einer Vision der unmittelbaren Zukunft, in der von Franchiseunternehmen kontrollierte Stadtstaaten alle herkömmlichen politischen und sozialen Strukturen ersetzt haben. Mit dem Metaverse stellt uns Stephenson eine weltweite vernetzte virtuelle Realität vor, deren Überflutung mit Werbung und Aneignung durch Wirtschaftsunternehmen, den Trend der Kommerzialisierung des Internets vorwegnimmt, der sich 1991 gerade erst abzuzeichnen begann. Neben fortschrittlicher Computertechnologie spielen sumerische Mythologie und unzählige Anspielungen auf postmoderne Diskurse eine Rolle.
Interface (1994)
Zwei Bücher veröffentlichte er gemeinsam mit seinem Onkel George F. Jewsbury unter dem Pseudonym Stephen Bury: Interface (1994) und The Cobweb (1996). Das erstgenannte erinnert stark an Bruce Sterlings Roman Distraction und behandelt - wie dieses - die manipulativen Möglichkeiten einer durch Technolgie und Medien bestimmten "Demokratie" im Amerika des 21. Jhs. In The Cobweb geht es um die Verstrickungen des CIA und des US Agrarministeriums in das Biowaffenprogramm des Irak des Saddam Hussein - natürlich mit streng fiktionalem Anspruch.
The Diamond Age (1995)
Für The Diamond Age das 1995 erschien, gewann Stephenson 1996 den HugoAward. In diesem Roman geht es um eine etwas weiter in der Zukunft angesiedelte Nahzukunftsvision, deren Schlüsseltechnologie die Nanotechnologie ist. Im Zentrum der Handlung steht ein interaktives Buch, A Young Lady's Illustrated Primer, das ein reicher Bürger eines neo-viktorianischen postnationalen staatsähnlichen Gebildes zur Erziehung seiner Enkelin eigens hat anfertigen lassen. Der mit der Erstellung beauftragte Programmierer kopiert aus Gründen der Vaterliebe die Fibel, sich wohl bewußt, das er illegal handelt. Durch Zufall gerät es in die Hände eines !Straßenkindes, das auf diese Art in den !Genuß der Bildung einer höheren Tochter kommt. Eine Schlüsselszene des Buches ist die Schilderung einer Turingmaschine verpackt als märchenhafte Erzählung innerhalb des interaktiven Buches, in welcher der Autor seine profunden Computerkenntnisse unter Beweis stellt.
The Cobweb (1996)
Zwei Bücher veröffentlichte er gemeinsam mit seinem Onkel George F. Jewsbury unter dem Pseudonym Stephen Bury: Interface (1994) und The Cobweb (1996). Das erstgenannte erinnert stark an Bruce Sterlings Roman Distraction und behandelt - wie dieses - die manipulativen Möglichkeiten einer durch Technolgie und Medien bestimmten "Demokratie" im Amerika des 21. Jhs. In The Cobweb geht es um die Verstrickungen des CIA und des US Agrarministeriums in das Biowaffenprogramm des Irak des Saddam Hussein - natürlich mit streng fiktionalem Anspruch.
Cryptonomicon (1999)
Mit Cryptonomicon erschien 1999 sein bis dahin umfangreichstes Werk, das in der Gegenwart und während des zweiten Weltkrieges spielt. In diesem Roman setzt sich Stephenson hauptsächlich mit Verschlüsselungstechnologie (Kryptographie) auseinander. Obwohl der Titel Cryptonomicon an H. P. Lovecraft erinnert und es eine Cypherpunk F.A.Q. namens Cyphernomicon (herausgegeben von Tim May) gibt, ist der Titel - so Stephenson - lediglich wegen seines lateinischen Klangs gewählt und weil er in einer Liste von Buchtiteln des 17. Jhs. nicht weiter auffiele. Das Cryptonomicon in der Erzählung (ein weiteres fiktionales Buch im Buch) hat Stephenson an das 1641 von John Wilkins geschriebene Buch Mercury angelehnt, das sich mit Kryptographie befasst. Nach der Veröffentlichung von Cryptonomicon wurde der Begriff Cypherpunk Literatur benutzt, um Stephensons Romane von denen anderer Cyberpunk Autoren abzugrenzen. Hierdurch sollte seine Vorliebe für Codierungsverfahren und Cryptographie als zentrales Element seiner Romane herausgestellt werden, z. B. binäre Codierung mit Kettengliedern in The Diamond Age, Kryptographie in Cryptonomicon, binäre Information in Bitmaps in Snow Crash.
In the Beginning was the Command Line (1999)
Zu seinen kleineren Schriften zählt der zuerst online publizierte und schließlich in Buchform veröffentlichte Aufsatz In the Beginning was the Command Line, der sich ebenso humorvoll wie intelligent mit Computer Betriebssystemen der damaligen Gegenwart (1999) auseinandersetzt. Die Frage des Autors, ob das von ihm begeistert benutzte BeOS doomed (dem Untergang geweiht) ist oder nicht, kann aus der Perspektive von 2004 mit ja beantwortet werden. Nach ostentativen Hinweisen des Autors, nunmehr mit dem Füller auf Papier zu schreiben (s. http://www.cryptonomicon.com/chat.html), gab er neulich bei slashdot zu, seine Manuscripte mit TeX zu setzen und MacOS X zu benutzen.
Baroque Cycle
Quicksilver (2003)
Im Herbst 2003 erschien Quicksilver, das die Vorgeschichte von Cryptonomicon erhellt. Neben John Wilkins kommen auch viele andere Gelehrte des 17. und 18. Jahrhunderts vor, darunter Isaac Newton, Wilhelm Gottfried Leibniz, Benjamin Franklin, Robert Hoooke und viele andere mehr. Inhaltlich geht es um die Entstehung der modernen Wissenschaft, die Etablierung des Fortschrittsgedankens, die Entstehung moderner Finanzsysteme - kurz Modernisierung. Dabei stilisiert der Autor seine Figuren oft als bewußte historische Akteure, deren Vokabular und Einsichten eher in ihre Nachwelt passen. Die historischen Persönlichkeiten erscheinen hierdurch als Instrumente der Fortschrittsthese und der strukturgeschichtlichen Zusammenhänge die der Autor herausstellen möchte. Es ein faszinierendes, kurzweiliges und unterhaltsames Buch. Kenner von Stephensons vorherigem Roman werden auf viele bekannte Namen stoßen und neue Zusammenhänge im gedanklichen Universum des Autors erkennen.
The Confusion (2004)
The Confusion erschien im April 2004 (am 1. April im Vereinigten Königreich und am 13. April in den Vereinigten Staaten). Es ist der zweite Band des sogenannten Baroque Cycle. Band Drei: The System of the World ist am 01. Oktober 2004 (in den Vereinigten Staaten und am 7. Oktober im Vereinigten Königreich) erschienen.
The System of the World (2004)
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Bret_Easton_Ellis
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Emile_Durkheim
3 Stephenson, Neal. The Big U. New York: Perennial/Harper Collins, 2001. S. 277.